ANTARKTIS - Eine Expedition ans Ende der Welt
Es gibt Orte auf dieser Erde, die man sich noch so oft auf Bildern anschauen kann und die einen trotzdem völlig überwältigen, sobald man selbst dort steht. Die Antarktis gehört für uns definitiv dazu.
Im Januar 2024 machten wir uns von Ushuaia aus auf den Weg in eine der abgelegensten und faszinierendsten Regionen unseres Planeten. Vom 7. bis zum 26. Januar waren wir mit der MV Sea Spirit von Poseidon Expeditions unterwegs. Unsere Expedition führte uns zunächst über die Falklandinseln und nach Südgeorgien, bevor wir schließlich die Antarktische Halbinsel erreichten. Die ausführlichen Erlebnisse auf den Falklandinseln und Südgeorgien haben wir in eigenen Beiträgen festgehalten.
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geht es zu unserem Reisebericht über die Falklandinseln.
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Je weiter wir nach Süden kamen, desto mehr veränderte sich die Landschaft. Aus dem offenen Meer wurden schließlich Eisberge, schneebedeckte Berge, Gletscher und riesige Eisflächen. Gleichzeitig wurde die Tierwelt immer beeindruckender. Pinguine, Robben und unzählige Seevögel begleiteten uns auf unserem Weg. Die Antarktis fühlte sich dabei nicht wie ein gewöhnliches Reiseziel an, sondern vielmehr wie eine vollkommen andere Welt.
Nach den Tagen auf See und der intensiven Vorbereitung auf unseren Antarktis-Teil der Reise war die Vorfreude entsprechend groß. Während der Überfahrt erhielten wir zahlreiche Vorträge über die Antarktis, ihre Geschichte, das Leben in den extremen Bedingungen und die Besonderheiten der dortigen Tierwelt. Gleichzeitig wurden unsere Expeditionskleidung und Ausrüstung immer wieder gründlich gereinigt und auf die strengen Biosecurity-Regeln vorbereitet. Schließlich sollte unsere Reise nicht nur ein Abenteuer für uns sein, sondern möglichst wenige Spuren in dieser einzigartigen Umgebung hinterlassen.
Endlich Antarktis
Der Moment, in dem wir die Antarktis schließlich erreichten, war etwas ganz Besonderes. Schon die ersten Eisberge machten deutlich, dass wir nun eine völlig andere Welt betreten hatten.
Am 20. Januar erreichten wir zunächst Elephant Island. Schon allein die Geschichte dieses Ortes ist beeindruckend. Point Wild war einst Zufluchtsort für Ernest Shackleton und seine Mannschaft, nachdem die Endurance im Weddellmeer gesunken war. 22 Männer harrten hier unter schwierigsten Bedingungen aus, während Shackleton und einige seiner Männer mit dem kleinen Rettungsboot James Caird nach Südgeorgien aufbrachen, um Hilfe zu holen. Aufgrund des starken Wellengangs konnten wir allerdings nicht an Land gehen und mussten den historischen Ort vom Schiff aus betrachten.
Von dort ging es weiter in Richtung Antarktische Halbinsel. Und spätestens jetzt wurde uns klar, warum diese Reise etwas ganz Besonderes werden sollte.
Pinguine, Robben und eine unglaubliche Tierwelt
Eines der größten Highlights der gesamten Reise war zweifellos die Tierwelt. Nirgendwo sonst hatten wir zuvor die Möglichkeit, Tiere in einer derart ursprünglichen Umgebung zu erleben.
Auf Gourdin Island konnten wir gleich drei verschiedene Pinguinarten beobachten: Adeliepinguine, Zügelpinguine und Eselspinguine. Besonders faszinierend war es, die Tiere nicht einfach nur aus der Entfernung zu sehen, sondern ihr Verhalten über längere Zeit beobachten zu können. Zwischen den Felsen und am Strand waren zahlreiche Pinguine unterwegs, während Robben im Wasser schwammen oder sich auf den Felsen ausruhten. Auch Pinguinküken konnten wir aus nächster Nähe beobachten.
Noch beeindruckender wurde es am Brown Bluff. Der 745 Meter hohe, vulkanische Felsen ragt imposant aus der Landschaft und bildet zusammen mit der Bucht und den zahlreichen Eisbergen eine Kulisse, die fast unwirklich wirkt. Am Ufer tummelten sich Adelie- und Eselspinguine, die ihre Küken versorgten oder zwischen Land und Wasser unterwegs waren. Auf dem Rückweg fuhren wir mit den Zodiacs zwischen den Eisbergen hindurch. Teilweise saßen sogar Pinguine auf den schwimmenden Eisriesen.
Auch Robben waren überall zu finden. In den verschiedenen Buchten konnten wir unter anderem Weddellrobben, Krabbenfresserrobben und Seeleoparden beobachten. Manche lagen völlig entspannt auf dem Eis, während andere neugierig durch das Wasser schwammen.
Ein besonderes Erlebnis war außerdem die Beobachtung der zahlreichen Seevögel. Die Antarktis und die vorgelagerten Inseln sind Lebensraum für eine unglaubliche Vielfalt an Vögeln, die perfekt an die extremen Bedingungen angepasst sind.
Mit dem Kajak durch die Antarktis
Eine der Aktivitäten, auf die wir uns besonders gefreut hatten, war das Kajakfahren. Und tatsächlich sollte es zu einem der eindrucksvollsten Erlebnisse der gesamten Expedition werden.
Mit einem Kajak durch antarktische Gewässer zu paddeln, ist etwas völlig anderes, als die Landschaft von einem großen Expeditionsschiff oder selbst aus einem Zodiac heraus zu betrachten. Plötzlich ist man selbst mitten in dieser gewaltigen Landschaft. Das Wasser liegt nur wenige Zentimeter unter dem eigenen Boot, um einen herum treiben Eisberge und Eisschollen, während im Hintergrund schneebedeckte Berge und Gletscher aufragen. Es herrscht eine unglaubliche Ruhe. Unterbrochen nur vom Geräusch des Paddels, das ins Wasser eintaucht, oder vom Knacken und Knirschen des Eises.
Bereits auf Südgeorgien konnten wir erste Erfahrungen mit dem Kajak sammeln. Dort paddelten wir unter anderem aus einer Bucht hinaus und konnten dabei Pelzrobben und Königspinguine aus der Nähe beobachten. Doch in der Antarktis bekam das Kajakfahren noch einmal eine ganz andere Dimension.
Bei Brown Bluff paddelten wir durch eine Landschaft, in der Eisberge und Pinguine zum festen Bestandteil der Kulisse gehörten. Die Pinguine waren dabei nicht einfach nur irgendwo am Ufer zu sehen. Sie sprangen ins Wasser, schwammen an uns vorbei und tauchten immer wieder auf. Gleichzeitig trieben rund um uns die unterschiedlichsten Eisformationen.
Auch in Mikkelsen Harbor konnten wir mit den Kajaks aufs Wasser. Die Bucht war von den Spuren der ehemaligen Walfangaktivitäten geprägt, während gleichzeitig eine Eselspinguinkolonie die Landschaft beherrschte. Zwischen historischen Überresten, Eis und Tieren zu paddeln, war eine außergewöhnliche Kombination.
Besonders eindrucksvoll war schließlich das Kajakfahren in Cierva Cove. Bei ruhigem Wetter und Sonnenschein spiegelten sich die Eisberge im Wasser. Einige stammten von lokalen Gletschern, andere waren durch Wind und Meeresströmungen in die Bucht getrieben worden. Während wir langsam durch diese Landschaft paddelten, konnten wir immer wieder Tiere auf dem Eis beobachten. Seeleoparden, Weddellrobben und Krabbenfresserrobben wurden in der Umgebung gesichtet.
Für uns war das Kajakfahren deshalb weit mehr als nur eine sportliche Aktivität. Es war eine Möglichkeit, die Antarktis auf eine besonders intensive Art zu erleben. Man bewegt sich langsam, ist vollkommen der Umgebung ausgesetzt und nimmt plötzlich Details wahr, die man von einem größeren Schiff aus vermutlich übersehen würde. Gleichzeitig wird einem bewusst, wie klein man selbst in dieser gewaltigen Landschaft ist.
Eisberge, Gletscher und Vulkane
Neben den Tieren war es vor allem die Landschaft, die uns immer wieder sprachlos machte.
Die Antarktis ist geprägt von gewaltigen Dimensionen. Berge ragen direkt aus dem Meer, Gletscher ziehen sich durch die Täler und riesige Eisberge treiben in den Buchten. Dazu kommen die unterschiedlichsten Farben und Formen des Eises – von fast durchsichtigem Weiß bis hin zu tiefem Blau.
Besonders spektakulär war die Fahrt durch den Antarctic Sound. Eisberge lagen überall im Wasser und bildeten zusammen mit den Bergen und der schneebedeckten Küste eine Landschaft, die wir so bisher nur aus Dokumentationen kannten.
Auch die vulkanische Seite der Antarktis konnten wir kennenlernen. Auf Deception Island fuhren wir mit den Zodiacs durch Neptune's Bellows, die schmale Einfahrt in die überflutete Caldera des Vulkans. Die Fahrt durch diese Passage war schon für sich ein Erlebnis. Anschließend ging es weiter zur Telefon Bay, wo wir bei starkem Wind und Schneefall über einen schwarzen Vulkanstrand hinauf zum Kraterrand wanderten. Von dort eröffnete sich ein beeindruckender Blick in die Caldera.
Eine Reise, bei der nicht jeder Plan aufgeht
Eine Expedition in die Antarktis bedeutet allerdings auch, dass man niemals genau weiß, was der nächste Tag bringt. Wetter, Eis und Seegang bestimmen den Ablauf.
Das mussten wir selbst mehrfach erfahren. Pläne mussten aufgrund von Eisverhältnissen oder zu starkem Wellengang angepasst werden. So konnten wir beispielsweise Elephant Island nicht wie geplant mit den Zodiacs erkunden. Auch auf anderen Etappen wurden die ursprünglichen Pläne kurzfristig geändert.
Genau das macht für uns aber den Charakter einer echten Expedition aus. Man bekommt keinen starren Reiseplan, bei dem alles minutiös festgelegt ist. Stattdessen entscheidet das Expeditionsteam gemeinsam mit dem Kapitän jeden Tag neu, was unter den aktuellen Bedingungen möglich und sinnvoll ist.
Und manchmal entstehen gerade dadurch die schönsten Erlebnisse.
Leben an Bord der Sea Spirit
Auch das Leben an Bord der MV Sea Spirit gehörte für uns untrennbar zu dieser Reise. Nach den täglichen Ausflügen mit Zodiacs, Wanderungen oder Kajaktouren war es schön, wieder auf das Schiff zurückzukehren und die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen.
Kulinarisch wurden wir dabei ebenfalls bestens versorgt. Morgens und mittags gab es ein reichhaltiges Buffet mit einer großen Auswahl an verschiedenen Speisen. Nach einem langen Tag in der Kälte war besonders das Mittagessen eine willkommene Gelegenheit, sich aufzuwärmen und wieder Energie für die nächste Expedition zu sammeln.
Am Abend wurde es etwas eleganter: Statt Buffet erwartete uns ein Vier-Gänge-Menü. So wurde aus dem Expeditionsalltag am Ende eines erlebnisreichen Tages ein gemütlicher Abend an Bord.
Dazu kamen die zahlreichen Vorträge des Expeditionsteams. Wir konnten viel über die Geschichte der Antarktis, ihre Tierwelt, die Forschung, das Klima und die besonderen Herausforderungen des Lebens in dieser extremen Region lernen. Gerade diese Kombination aus Erlebnis und Hintergrundwissen machte die Reise für uns besonders wertvoll.
Ein Abschied von der Antarktis
Viel zu schnell neigte sich unsere Expedition dem Ende entgegen. Am 24. Januar machten wir uns wieder auf den Weg durch die Drake-Passage zurück Richtung Ushuaia. Die letzten Tage an Bord waren eine Mischung aus weiteren Vorträgen, gemeinsamen Gesprächen und dem Versuch, die vielen Eindrücke dieser Reise überhaupt erst zu verarbeiten.
Am 25. Januar erreichten wir schließlich wieder den Beagle Channel. Der Himmel zeigte sich noch einmal von seiner schönsten Seite und bei einem Abschiedscocktail wurden die Highlights der vergangenen Wochen in einer Fotoshow zusammengefasst. Ein emotionaler Moment, denn plötzlich wurde uns bewusst, dass diese außergewöhnliche Reise tatsächlich zu Ende ging. Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von der Sea Spirit.
Was bleibt, sind unzählige Erinnerungen an eine Landschaft, die kaum mit Worten zu beschreiben ist. An Eisberge, die lautlos durch das Wasser treiben. An Pinguine, die neugierig ins Meer springen. An Robben, die auf dem Eis liegen. An Kajaktouren durch eine scheinbar endlose Eislandschaft. An schneebedeckte Berge, Gletscher und vulkanische Landschaften.
Und vor allem bleibt das Gefühl, für einige Tage einen der letzten wirklich wilden Orte dieser Erde erlebt zu haben.
Die Antarktis war für uns atemberaubend schön, unvergesslich und eine Reise, die wir wahrscheinlich nie wieder vergessen werden.














